Interview mit Alexander Ihde und Wanja Glatte von der SOLIHDE GmbH

Um Unternehmensprozesse unkompliziert zu rationalisieren und zu optimieren, hat Alexander Ihde, geschäftsführender Gesellschafter der Ihde Gebäudetechnik GmbH aus Bielefeld, gemeinsam mit dem Informatiker Wanja Glatte die Softwareplattform IONE entwickelt, die über das im Jahr 2014 gegründete Unternehmen SOLIHDE GmbH vertrieben wird. Inzwischen kommt IONE nicht nur im Bereich der Gebäudetechnik, sondern in zahlreichen anderen Branchen zum Einsatz. Über die Besonderheiten und vielfältigen Möglichkeiten von IONE berichten Alexander Ihde und Wanja Glatte.

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Wanja Glatte (links) und Alexander Ihde

Womit beschäftigt sich SOLIHDE, und was ist das Besondere an eurer Geschäftsidee?

Wanja Glatte: Wir haben nicht nur eine Software entwickelt, sondern darüber hinaus eine eigene Plattform geschaffen, die dazu dient, gewisse Standards zu definieren. Dadurch bietet sich die Möglichkeit, Kunden auf Wunsch eine Standardsoftware anbieten zu können, die sich ohne großen Programmieraufwand individualisieren lässt. Wir nennen das „parametrisieren“. Nur wenn komplette Funktionen fehlen würden, müssten wir sie nachträglich programmieren. Vieles kann problemlos mit einigen kleinen Maßnahmen angepasst werden, so dass der Kunde von uns letztendlich eine Art Individuallösung bekommt, ohne dabei die Nachteile einer reinen Individuallösung in Kauf nehmen zu müssen. Wir haben somit die Vorteile von Standardlösung und Individuallösung kombiniert. Unsere Softwareplattform wächst stündlich an Funktionen. Sie richtet sich an Unternehmen und Organisationen von 1 bis zu 300 Usern, wobei sich das System natürlich nicht beim 301. User abschaltet.

Alexander Ihde: Technisch gibt es bei IONE tatsächlich keine Grenzen. Wir haben fürs Erste lediglich eine supportbedingte Grenze definiert.

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IONE-Broschüre

Wir seid ihr auf die Idee gekommen, und wie hat sich diese entwickelt?

Alexander Ihde: Innerhalb eines Unternehmens laufen ja häufig mehrere Funktionen über unterschiedliche IT-Lösungen und  IT-Anwendungen. Das führt dazu, dass man relativ fragmentiert arbeitet – und das war für die Ihde Gebäudetechnik einfach nicht mehr zufriedenstellend. Mein Wunsch war es, eine Software zu haben, die alle Informationen und Daten auf einer Plattform zur Verfügung stellt. Und zwar unabhängig von dem Bereich, in dem meine Mitarbeiter tätig sind, zeitunabhängig und von jedem Gerät abrufbar. Ziel war es, flexibel zu sein, ohne sich beschränken zu müssen, wenn es darum geht, das System mit entsprechenden Daten zu füttern. Also haben wir innerhalb der Ihde Gebäudetechnik angefangen, mit unserer eigenen IT-Abteilung selbst zu programmieren. Nach einigen Monaten wandten sich unterschiedliche mittelständische Unternehmen an uns und bekundeten ihr Interesse an unserem System. So entstand die Idee, keine Individuallösung speziell für die Ihde Gebäudetechnik zu entwickeln, sondern das System so zu generalisieren, dass man ein vielseitig nutzbares Produkt daraus machen kann. IONE ist also aus einem tatsächlichen Bedarf heraus entstanden – ein Bedarf, der bei vielen Unternehmen ähnlich ist. So ist beispielsweise die Ihde Gebäudetechnik als Heizungs- und Sanitärbetrieb gegründet worden, hat sich aber inzwischen zu einem Generalunternehmer im Bereich „Bauen im Bestand“ weiter entwickelt. Die eigene IT-Abteilung ist in die SOLIHDE GmbH übergegangen. Die wenigsten Unternehmer können beispielsweise meines Erachtens sicher wissen, welche Geschäftsbereiche in der Zukunft dazu kommen, welche möglicherweise entfallen oder wie die Gewichtung der Tätigkeitsbereiche in den nächsten Jahren aussieht. Deshalb war es für mich wichtig, dass sich die IT den jeweiligen Gegebenheiten anpasst – und nicht das Unternehmen der IT. Dies ist durch IONE möglich.

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Team im Gespräch

Wer gehört zu eurem Team, und wie habt ihr euch zusammengefunden?

Alexander Ihde: Im Jahr 2008 hat Wanja Glatte die erste Branchensoftware für die Ihde Gebäudetechnik implementiert. Daraus hat sich im Verlauf der Zeit unsere Zusammenarbeit entwickelt. Inzwischen beschäftigen wir bei SOLIHDE acht Mitarbeiter am Standort Bielefeld, die für die Schwerpunkte Support und Projektsteuerung zuständig sind. Die Entwicklung von IONE ist in einem indischen Partnerunternehmen erfolgt, mit dem die IHDE Gebäudetechnik bereits zuvor zusammengearbeitet hat. Die Projektsteuerung lag dabei jedoch immer in unserem Betrieb in Bielefeld. Inzwischen beschäftigen wir in Indien eigene Mitarbeiter.

Welche Fähigkeiten konntet ihr zum Gründungszeitpunkt schon miteinbringen, und was musstet ihr noch dazulernen?

Alexander Ihde: Wir haben eine ganz klare Arbeitsteilung. Ich kenne mich mit IT und Programmiersprachen nicht aus. Wanja Glatte, als Informatiker, war in der Umsetzung dessen, was als Idee formuliert wurde, stets der Spiritus Rector. Für mich war dies ausgesprochen hilfreich, denn er hat sofort verstanden, welche Anforderungen ich gestellt habe. Ich bin eher der Pragmatiker, der sich beispielsweise mit den Entwicklungskosten, dem Marketing und dem Vertrieb auseinandersetzt. So ergänzen wir uns bestens und arbeiten optimal zusammen.

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Alexander Ihde (links) und Wanja Glatte präsentieren die IONE-Software

Was lief bei der Gründung von SOLIHDE besonders gut, und was hat nicht optimal geklappt?

Alexander Ihde: Es war eine große Herausforderung, unsere Produktidee in ihrer ganzen Komplexität, ihrer Anwendbarkeit und ihrer Stringenz, was die Abläufe betrifft, über den Indischen Ozean ins Entwicklungshaus zu transportieren. Es hat schon eine Weile gedauert, den Mitarbeitern in Indien deutlich zu machen, dass IONE in Hinblick auf die Anwendbarkeit und den Generalismus, der hinter diesem System steckt, etwas völlig Neues ist. Daher haben wir uns auch entschlossen, uns sukzessive vom Entwicklungshaus zu lösen und eigene Mitarbeiter zu beschäftigen. Eine weitere Herausforderung war und ist es immer noch, unsere Produkte zu vermarkten. Aber dabei sind wir auf einem guten Weg, zumal wir erst Mitte 2016 aktiv mit der Vermarktung begonnen haben.

Wanja Glatte: Nach wie vor ist es wichtig, potenziellen Kunden deutlich zu machen, dass unser Produkt nicht eins von vielen am Markt, sondern tatsächlich etwas Besonderes ist.

Was habt ihr aus diesen Hürden gelernt?

Alexander Ihde: Vor allem eins: Man sollte an seinem Ziel festhalten und konsequent seine Vorstellungen umsetzen – und zwar auch mit allen damit verbundenen Risiken. Dafür muss man schon ein gewisses Selbstvertrauen mitbringen.

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Firmengebäude in Bielefeld

Welche Zielgruppe sprecht ihr mit eurem Produkt an?

Wanja Glatte: IONE ist branchenunabhängig einsetzbar, da wir festgestellt haben, dass es in den unterschiedlichen Branchen trotzdem viele Gemeinsamkeiten gibt. Mit einer Größenordnung von bis zu etwa 300 Usern wenden wir uns zunächst vornehmlich an klein- und mittelständische Unternehmen.

Wie akquiriert ihr eure Kunden?

Wanja Glatte: Gestartet sind wir im Frühjahr 2016 auf der Hannover-Messe, auf der wir IONE vorgestellt haben. Dadurch haben sich bereits erste Kontakte zu interessierten Unternehmen ergeben.

Alexander Ihde: Der Bereich Messe wird sicher auch weiterhin von Bedeutung sein, um unser Produkt bekannter zu machen. Darüber hinaus sind wir natürlich im Internet mit einer entsprechenden Homepage vertreten. Ich denke, dass die Kombination aus zufriedenen Kunden, einer professionellen Online-Vermarktung und der Teilnahme an Schwerpunktmessen wie der Hannover-Messe besonders erfolgversprechend ist. Dies wird im Moment aufgebaut. Oder um es umgekehrt auszudrücken: Wir werden keinen klassischen Außendienst betreiben, denn das halten wir nicht mehr für zielführend.

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Im Gespräch: Lara Becker (it’s OWL), Alexander Ihde und Wanja Glatte (v.l.n.r.)

Welche Meilensteine habt ihr euch für die nächste Zeit gesetzt?

Alexander Ihde: Wir wollen zunächst einmal mehr Aufmerksamkeit für das Produkt IONE erlangen. Denn wir haben festgestellt, dass der Weg zum Vertragsabschluss gar nicht mehr weit ist, sobald unser Produkt wahrgenommen wird. Daraus abgeleitet wünschen wir uns natürlich weitere Vertriebserfolge. Aber wir leisten uns auch den Luxus, uns die notwendige Zeit zu nehmen, um das Geschäft strukturiert und professionell aufzubauen. Dabei hilft es uns sicherlich, dass wir eigenfinanziert und damit unabhängig sind.

Wo seht ihr euch in fünf Jahren?

Alexander Ihde: In fünf Jahren wird unsere Belegschaft gewachsen, die Umsätze gestiegen und der Erfolg mit IONE entsprechend wahrnehmbar sein.

Gibt es Tipps, die ihr anderen Existenzgründern geben könnt?

Alexander Ihde: Man sollte sich klar darüber sein, dass sich eine Existenzgründung nicht bis ins Detail planen lässt. Wir hatten das Glück, dass die Firma Ihde Gebäudetechnik bereits seit Jahren sehr erfolgreich am Markt positioniert ist. Insofern konnten wir schon mit einer gewissen Portion an Realismus und  Abgeklärtheit an die Entwicklung von IONE herangehen.