Interview mit Bastian Wegge von crossbow GmbH

Was genau macht dein Unternehmen und was ist das Besondere an der Geschäftsidee?

Bastian: Ich mache Individualentwicklungen für große Firmen. Da geht es von den Websprachen bis hin zu allem, was auf Handys und anderen Geräten läuft oder auch Spieleentwicklung. Das ist das, was Crossbow im Endeffekt für mich bedeutet und die Richtung, in die ich gehen will. Was mich von anderen Unternehmungen unterscheidet, ist Innovativität. Ich finde fast immer relativ fix eine Lösung, ohne, dass eine Agentur dazwischen ist. Daraus beziehe ich meinen Lebensunterhalt. Die meisten Kunden sind bei mir, weil sie so gute Arbeit bekommen und bezahlen mich monatlich dafür. Einer meiner größten Kunden ist NCR.

Wie bist du auf die Idee gekommen? Wie hat sich die Idee entwickelt?

Bastian: Ich war knapp fünf Jahre selbstständig und habe sehr viel durchgemacht. Am Anfang, wenn man sich selbstständig macht, ist es schlecht, wenn Kunden nicht zahlen und man dann vielleicht in einer kleinen Wohnung lebt, die man sich eigentlich nicht leisten kann. Nach und nach kam mir dann die Idee, das Ganze ein bisschen breiter aufzustellen. Inzwischen habe ich ein Team um mich herum aufgestellt, welches mir unter die Arme greift und mir hilft, mich auf meine Kernkompetenz zu fokussieren.

Bastian Wegge, CEO

Welche Fähigkeiten konntest du zum Gründungszeitpunkt schon miteinbringen und was musstest du noch dazulernen?

Bastian: Zum Gründungszeitpunkt hatte ich überhaupt keine Ahnung von Firmengründung. Dann habe ich noch jemanden mit dazu genommen, der sich Vollzeit damit beschäftigen sollte. Im Endeffekt habe ich aber alle Informationen, die ich brauchte, durch meinen Steuerberater und den Anwalt bekommen. Was ich auf jeden Fall in der Zeit dazugelernt habe, ist, dass ich mir Geschäftspartner und Mitarbeiter sehr selektiv auswähle. Außerdem habe ich mir eine neue Programmiersprache angeeignet. Selbst mitgebracht habe ich lösungsorientiertes Denken. Das ist so mein Grundgedanke. Man muss nicht immer nur programmieren. Oft ist es auch so, dass ich dem Kunden sage „Ja okay, klar kann ich das Ganze jetzt Programmieren und dir 10.000€ berechnen, aber nimm lieber diesen Ansatz, der kostet dich nur 1-2.000€ im Monat und ist schon fertig.“ In der Medizin sagt man eben: „Ich bin kein Chirurg. Ich muss nicht alle Leute aufschneiden.“ Mir geht es dann eher darum, das Problem zu lösen.

Was hat besonders gut geklappt bei der Gründung?

Bastian: Die Gründung…. (lacht). Das ist eine gute Frage. Es schien für mich so, dass es alles hundertprozentig klappen würde. Auch die Mentorenmeetings, die wir hatten, waren unglaublich cool und da dann Feedback zu bekommen von Leuten, die bei BASF mal im Vorstand waren oder sind und einem sagen, dass das Produkt richtig gut ist und auf den Markt gebracht werden kann. Im Nachhinein hat es dann ja nicht so gut funktioniert. Gut funktioniert hat die Zusammenarbeit mit den anderen Parteien, wie zum Beispiel dem Steuerberater oder Anwalt.

Maurice Glißmann, Head of Sales

Woran hast du dir die Zähne fast ausgebissen?

Bastian: Zwischenmenschliches und Geschäftliches optimal zu verknüpfen. Wenn man ein wirtschaftliches Unternehmen führt, geht es darum, wirtschaftlich zu denken und nicht den besten Kumpel einzustellen. Man braucht Aufträge und Cashflow um sagen zu können, dass man jetzt eben jemanden einstellt. Andersherum funktioniert es nicht.

Was hast du aus den Herausforderungen/ Hürden gelernt?

Bastian: Ich habe bei meiner Zusammenarbeit mit relativ großen Kunden gelernt, dass man als kleiner Mensch, der nur kurzfristig für die Firma verfügbar ist, fast immer am längeren Hebel sitzt. Mittlerweile schreibe ich auf jedes Angebot und auf jede Rechnung drauf, dass alle Dienste sofort abgeschaltet werden, wenn die Rechnungen nicht beglichen werden. Ich habe das mittlerweile dreimal gemacht und das Geld war sofort da. Das ist auch keine Erpressung, sondern eine Absicherung für mich. Die sind zu sehr abhängig von mir, als dass sie sagen würden, sie kicken mich jetzt sofort raus.

Michael Johann, CTO

Welche Kunden /Zielgruppe sprichst du an?

Bastian: Wenn ich Kundengespräche habe, sage ich immer ganz offensiv, dass ich coole Kunden und spannende Projekte haben möchte. Das ist relativ leicht definiert. Ich habe im letzten Jahr in der Selbstständigkeit relativ viel um die Ohren geworfen bekommen, da wegen fehlender Kommunikation manche Dinge nicht funktioniert haben. Meine Zielgruppe sind eher diese Innovationsmanager, die kurzfristig Dinge realisieren oder kurzfristig ein Produkt auf den Markt bringen wollen. Dafür bin ich dann auch zu haben und mache auch manchmal ein Wochenende durch. Das ist bei NCR auch an der Tagesordnung. „Cool“ bedeutet einfach nur, dass ich mit Kunden zusammenarbeiten will, welche spannende Projekte und Produkte haben oder entsprechend solche entwickeln wollen. Mir macht es einfach Spaß, mit der neuesten Technologie Projekte zu realisieren.

Wie akquirierst du deine Kunden?

Bastian: Gar nicht. Ich mache keine Werbung. Wir haben jetzt zwar eine Webseite und auch am Anfang gedacht, dass wir Werbung für uns machen müssen, damit wir Kunden reinbekommen, aber dem war nicht so.  Meine Aufträge habe ich über Vitamin B bekommen. Wobei Vitamin B schon übertrieben ist. Das waren dann Freunde von Freunden, die gesagt haben, dass sie jemanden kennen, der richtig gut programmieren kann. Und so kam ich dann zu meinen ersten Aufträgen. Meine Philosophie ist, dass ich meine Arbeit für mich sprechen lasse – so kamen immer wieder neue Aufträge von meinen Kunden.

Roman Hock, Creative Director

Welche Meilensteine willst du in den kommenden Monaten/ Jahren erreichen?

Bastian:  Sogesehen habe ich keinen Meilenstein definiert. Dennoch möchte ich, dass meine Firma weiter wächst und gute Produkte zusammen mit den Kunden entwickelt. Inzwischen habe ich einen weiteren Mitarbeiter eingestellt sowie einen Partner mit ins Boot geholt. Außerdem suchen wir derzeit noch 2 weitere Entwickler, welche unsere Grundprinzipien teilen – zusammen mit dem Kunden erfolgreiche und innovative Projekte umzusetzen. Unseren Fokus sehen wir dabei auf der Digitalisierung von Prozessen.

Wo siehst du dich in fünf Jahren?

Bastian: : Ich glaube, dass ich in 5 Jahren noch immer am Rechner sitzen und programmieren werde. Bis dahin wird die Firma schon deutlich größer geworden sein und wir haben, so hoffe ich zumindest, viele spannende Kunden und Projekte. Ich freue mich auf die Herausforderung und darauf, ein gutes Team aufzubauen.

Im Interview: Lara Becker und Bastian Wegge

Gibt es Tipps, die du anderen Gründungsinteressierten aus deiner Erfahrung heraus geben kannst?

Bastian: Auf jeden Fall: Wirtschaft ist nicht immer Freundschaft. Man sollte sich genau überlegen, mit wem man zusammenarbeitet, weil das Ganze wie eine Ehe ist. Man muss sich vor Augen führen, dass man dann fünf Tage die Woche zusammen im Büro sitzt. Wenn man sich das nicht vorstellen kann, dann sollte man es lassen. Das zweite wäre, dass man sich nicht durch Leute abbringen lassen soll, die sagen, dass man das nicht schafft. Coole Ideen setzen sich nämlich immer durch. Bei einem Projekt, das wir jetzt die ganze Zeit gemacht haben, dachte ich am Anfang, dass daraus nichts wird und ich ein halbes Jahr meines Lebens verschwendet habe. Aber so war es nicht. Das Produkt an sich ist cool. Ich zeige es ab und zu Leuten und irgendwann kommt einer, der es gut findet. Ich kann damit mittlerweile auch Geld verdienen. Ideen sollte man also einfach umsetzen. Wenn es mal nicht so gut läuft, sollte man trotzdem weitermachen.